Während meiner regelmäßigen Meditationen suche ich immer wieder mein inneres Labor auf, steige also sehr tief in mein Unterbewusstsein ein. Dieses innere Labor ist mein Paradies, es ist mein Platz für Experimente und beinhaltet eine riesige Bibliothek. Nur ich selbst habe Zutritt und kann dort Kontakt aufnehmen, mit wem auch immer ich möchte. Alle Themen, die ich aufgrund meiner Lebenserfahrungen niedergeschrieben habe oder niederschreiben werde, entstehen hauptsächlich in diesem inneren Labor. Und oft bekomme ich von dort auch Erläuterungen und Ergänzungen zu meinen Themen. Auch erhalte ich viele Hinweise auf weitere Themen, die ich noch bearbeiten werde und soll. Diese Ratschläge, beziehungsweise Hinweise erreichen mich auf unterschiedliche Weise. Manchmal stehen verschiedene Begriffe auf einem Flipchart, ein anderes Mal finde ich die Themen in einer Unterschriftsmappe, die auf meinem imaginären Schreibtisch liegt oder ich blättere in alten Büchern aus der Bibliothek und finde dort plötzlich Hinweise auf bestimmte Themen, die mich bewegen oder bewegt haben. Auch finde ich oft aufgeschlagene Bücher in meiner inneren Bibliothek, auf deren Seiten Hinweise zu ganz aktuellen Themen geschrieben sind, die mein derzeitiges Leben gerade berühren. Und jedes Mal bekomme ich den Eindruck, dass ich zu bestimmten Themen regelrecht hingeführt werde. Es könnte natürlich auch mein innerer Helfer, der Tod, der Herr Gevatter, wie ich ihn nenne, sein, der mir auf diese Weise zu verstehen gibt, was ich noch alles niederschreiben soll.
In den vergangenen Jahren habe ich von vielen Seiten erfahren, dass sich Menschen darüber beklagen, zu wenig über ihre Vorfahren und deren Geschichte zu wissen. Darüber also, woher sie kommen, beziehungsweise über den Ursprung ihrer Familie. Irgendwann habe ich mir diese Fragen auch gestellt und angefangen, Notizen zu machen. Dabei musste ich feststellen, dass ich wohl in jüngeren Jahren versäumt hatte, mich bei den damals noch lebenden Vorfahren nach deren Geschichte zu erkundigen. Ich wusste also wirklich nicht viel. Und das Bisschen, was ich wusste, stellte mich nicht zufrieden.
Im Alter von 24 Jahren wurde ich, nach vier Jahren Soldat bei der Luftwaffe, in das Privatleben entlassen. Zu diesem Zeitpunkt lernte ich meine spätere Ehefrau kennen. Bei der Vorbereitung auf Studium, die berufliche Tätigkeit, Partnerschaft und das vor mir liegende Leben überhaupt, habe ich mir schon damals Gedanken über das Älterwerden gemacht. Schon in jungen Jahren habe ich den humorvollen Satz geprägt, dass am 24. Dezember Heiligabend ist und dass es keinen Sinn macht, wenn erst am 25. Dezember Geschenke und der Tannenbaum besorgt werden.
Anlässlich der Gratulation zu einem meiner Geburtstage hat mir ein lieber Freund neben den guten Wünschen für Gesundheit und ein langes Leben, gewünscht, dass ich mich überhaupt nicht mehr ärgern sollte. Dies ist Anlass genug, mich mit dem Thema Ärger zu befassen. Zumal ich kürzlich gelesen habe, dass Ärger Stress erzeugt und außerdem das seelische Gleichgewicht beeinträchtigt und schwächt. Ärger solle auch neben Belastung der Nerven, die Esslust und die Verdauung hemmen. Demnach macht Ärger also krank. Längerer Ärger könnte auch zu Verletzungen der Seele führen und damit Einfluss auf die Gesundheit haben, würde also der Gesundheit schaden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Ärger über einen längeren Zeitraum unangenehm wirken kann. Gleich mehrere berühmte und intelligente Persönlichkeiten sollen gesagt haben, wenn sie gewusst hätten, dass sie ohne Ärger viel glücklicher leben, dann hätten sie dies schon viel früher beachtet.
Es gibt Erinnerungen, die einfach bleiben und die immer präsent sind. Es sind besondere Erinnerungen, die mich emotional berühren und die ich in keinem Schuhkarton oder in Schrank, der auf dem Dachboden stehen könnte, suchen müsste. Erinnerungen, die einfach in Geist und Seele bleiben und immer vorhanden sind. Oft sind sie tragisch und schmerzen. Aber es gibt auch viele, über die man lachen kann und die sehr humorvoll sind. Manche Erinnerungen verblassen leider etwas, sind aber dennoch immer wertvoll. Ich könnte sagen, das Papier wird gelb, die Farben verblassen, und im schlimmsten Fall kleben einige Erinnerungen irgendwann zusammen. Aber diese Erinnerungen müssen nicht gerettet werden. Sie sind und bleiben präsent und jederzeit abrufbar. Ich muss diese Bilder nicht einscannen, die Beleuchtung muss nicht richtig eingestellt sein. Ich brauche dazu keinen Film, kein Smartphone und keinen Fotoapparat. Ich muss diese Bilder nicht sortieren. Ich kann sie jederzeit erzählen. Ein Fotobuch oder ein Projektor ist nicht notwendig. Und wenn ich sie nicht erzählen will, dann können diese Momente in meinem Geist Revue passieren. Dann sind diese Schätze nur in meinem inneren Paradies vorhanden. Und wenn ich will, hole ich die Vergangenheit ins digitale Zeitalter. Und hinter jeder besonderen Erinnerung steckt meistens eine vollständige Geschichte. Und es lohnt sich, einige dieser Erinnerungen, die sich fest eingebrannt haben, niederzuschreiben und festzuhalten. Im Folgenden möchte ich eine Auswahl dieser ganz besonderen Erinnerungen teilen.
Maria Leipert brachte mich am 26. Juli 1944 um 15:35 Uhr im Krankenhaus in Wagstadt im Sudetenland zur Welt. Ich war alles andere als ein Wunschkind. Aber ich hatte Glück, denn im Haus meiner Großeltern, in dem auch meine Mutter lebte, lebte auch das Waisenkind Vera Bartusek, deren Mutter aus Ostrau, dem heutigen Ostrava, ihre Tochter Vera meinen Großeltern gegen Entgelt zur Pflege, Betreuung und Erziehung übergeben hatte. Vera wurde am 19. November 1932 geboren und war zum Zeitpunkt meiner Geburt fast zwölf Jahre alt. Sie entwickelte ausgeprägte mütterliche Gefühle und kümmerte sich sehr um mich. Sie versorgte und betreute mich, sodass ich zu Vera innigere Gefühle entwickelte als zu meiner leiblichen Mutter. Zu Vera hatte ich bis zu ihrem Tod am 19. Januar 2020 eine ganz besonders innige Verbindung. Sie war für mich meine seelische Mutter.
Während meiner regelmäßigen Meditationen konzentriere ich mich auf mein Unterbewusstsein. In diesem Fenster meiner Seele habe ich mir eine Art inneres Labor eingerichtet, das ich in einem früheren Blog bereits ausführlich beschrieben habe. In diesem inneren Labor finde ich seit vielen Jahren Lösungen für Themen und Probleme, die mich im realen Leben begleiten.
Heute ist der 3. April 2026. Ich sitze am Pool eines komfortablen Hotels direkt am Meer neben der Strandpromenade auf Mallorca und lese die kurze Geschichte der Menschheit von Harari. Nebenbei betrachte ich die Menschen um mich herum und stelle fest, dass sich auffallend viele von ihnen recht mühsam fortbewegen. Und es ist mehr als die Hälfte der von mir beobachteten Menschen, die Mühe haben, sich von ihren Stühlen oder Liegen zu erheben. Die meisten sind älter als 70 Jahre.
Es war einmal, so fangen viele Märchen an. Aber meine Geburt, meine Kindheit und Jugend, mein Leben insgesamt war alles andere als ein Märchen, es war harte Realität. Ich meine damit nicht nur die widrigen Umstände, unter denen ich aufgewachsen bin. Zu meiner Lebens-Realität gehört auch, dass ich erst im Alter von zwölf Jahren erfahren habe, wer mein Vater, beziehungsweise mein Erzeuger war.
Wir leben in einer Zeit, in der wir uns mit vielen Themen, die uns belasten und die uns die Lebensfreude nehmen, auseinandersetzen müssen. Diese Themen sind vielfältig, es zählt die Angst vor der Zukunft dazu, aber auch eine allgemeine Verunsicherung, ebenso wie die zunehmende Vereinsamung. Ich spüre auch einen zunehmenden Vertrauensverlust, hervorgerufen durch oft chaotische politische Verhältnisse. Wir suchen nach Antworten auf diese sehr komplexen Fragen und gelangen zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass es keine einfachen Lösungen gibt.
