Anlässlich der Gratulation zu einem meiner Geburtstage hat mir ein lieber Freund neben den guten Wünschen für Gesundheit und ein langes Leben, gewünscht, dass ich mich überhaupt nicht mehr ärgern sollte. Dies ist Anlass genug, mich mit dem Thema Ärger zu befassen. Zumal ich kürzlich gelesen habe, dass Ärger Stress erzeugt und außerdem das seelische Gleichgewicht beeinträchtigt und schwächt. Ärger solle auch neben Belastung der Nerven, die Esslust und die Verdauung hemmen. Demnach macht Ärger also krank. Längerer Ärger könnte auch zu Verletzungen der Seele führen und damit Einfluss auf die Gesundheit haben, würde also der Gesundheit schaden. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Ärger über einen längeren Zeitraum unangenehm wirken kann. Gleich mehrere berühmte und intelligente Persönlichkeiten sollen gesagt haben, wenn sie gewusst hätten, dass sie ohne Ärger viel glücklicher leben, dann hätten sie dies schon viel früher beachtet.
Es gibt Erinnerungen, die einfach bleiben und die immer präsent sind. Es sind besondere Erinnerungen, die mich emotional berühren und die ich in keinem Schuhkarton oder in Schrank, der auf dem Dachboden stehen könnte, suchen müsste. Erinnerungen, die einfach in Geist und Seele bleiben und immer vorhanden sind. Oft sind sie tragisch und schmerzen. Aber es gibt auch viele, über die man lachen kann und die sehr humorvoll sind. Manche Erinnerungen verblassen leider etwas, sind aber dennoch immer wertvoll. Ich könnte sagen, das Papier wird gelb, die Farben verblassen, und im schlimmsten Fall kleben einige Erinnerungen irgendwann zusammen. Aber diese Erinnerungen müssen nicht gerettet werden. Sie sind und bleiben präsent und jederzeit abrufbar. Ich muss diese Bilder nicht einscannen, die Beleuchtung muss nicht richtig eingestellt sein. Ich brauche dazu keinen Film, kein Smartphone und keinen Fotoapparat. Ich muss diese Bilder nicht sortieren. Ich kann sie jederzeit erzählen. Ein Fotobuch oder ein Projektor ist nicht notwendig. Und wenn ich sie nicht erzählen will, dann können diese Momente in meinem Geist Revue passieren. Dann sind diese Schätze nur in meinem inneren Paradies vorhanden. Und wenn ich will, hole ich die Vergangenheit ins digitale Zeitalter. Und hinter jeder besonderen Erinnerung steckt meistens eine vollständige Geschichte. Und es lohnt sich, einige dieser Erinnerungen, die sich fest eingebrannt haben, niederzuschreiben und festzuhalten. Im Folgenden möchte ich eine Auswahl dieser ganz besonderen Erinnerungen teilen.
Maria Leipert brachte mich am 26. Juli 1944 um 15:35 Uhr im Krankenhaus in Wagstadt im Sudetenland zur Welt. Ich war alles andere als ein Wunschkind. Aber ich hatte Glück, denn im Haus meiner Großeltern, in dem auch meine Mutter lebte, lebte auch das Waisenkind Vera Bartusek, deren Mutter aus Ostrau, dem heutigen Ostrava, ihre Tochter Vera meinen Großeltern gegen Entgelt zur Pflege, Betreuung und Erziehung übergeben hatte. Vera wurde am 19. November 1932 geboren und war zum Zeitpunkt meiner Geburt fast zwölf Jahre alt. Sie entwickelte ausgeprägte mütterliche Gefühle und kümmerte sich sehr um mich. Sie versorgte und betreute mich, sodass ich zu Vera innigere Gefühle entwickelte als zu meiner leiblichen Mutter. Zu Vera hatte ich bis zu ihrem Tod am 19. Januar 2020 eine ganz besonders innige Verbindung. Sie war für mich meine seelische Mutter.
