Meine Sicht auf die Geschichten die das Leben geschrieben hat

Als ehemaliger Inhaber eines Ingenieurbüros in Pforzheim bringt Norbert Leipert nicht nur fundiertes technisches Wissen, sondern auch eine zukunftsweisende Denkweise mit. Seine Arbeit fokussiert auf innovativen Lösungen, die den Anforderungen einer modernen, sich ständig weiter entwickelnden Welt gerecht werden. Gleichzeitig sieht er es als seine Aufgabe, die jüngere Generation zu fördern, indem er seine Lebensweisheiten und beruflichen Erfahrungen mit jungen Menschen teilt. Mit einem klaren Blick für Details, einem Gespür für Effizienz und einer besonderen Leidenschaft für die Vermittlung von Wissen setzt er neue Maßstäbe in der heutigen Zeit.

Nachdem wir im Dezember 1953 von Rohrbach bei Sinsheim nach Pforzheim umgesiedelt waren, wurde ich umgehend in der Brötzinger Volksschule in Pforzheim in die vierte Klasse eingeschult. Mein Klassenlehrer war bis zum 28. März 1958 Herr Kraft. Er bekam von uns den Spitznamen „Schnorchel“, weil er beim Atmen und vor allem beim Sprechen sehr laut die Luft einsog. Herr Kraft war circa 50 Jahre alt und ganz offensichtlich mit dieser großen Klasse von 45 Mädchen und Buben total überfordert. Auch hatte nicht nur ich  den Eindruck, dass er unter den Folgen des 2. Weltkrieges, vor allem der Bombardierung und Zerstörung von Pforzheim, sehr gelitten hat. In unserem Klassenzimmer befand sich neben der Tafel ein Spind, in dem Herrn Krafts Mantel hing, und in welchem er auch seinen Bambusstock deponiert hatte. Diesen Bambusstock benutzte er sehr häufig und schlug damit bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf mich und meine Klassenkameraden ein. Mit uns Buben aus dem Sudetenland hatte er ein besonderes Problem. Ich hatte zunehmend den Eindruck, dass wir die Schläge nicht nur wegen eines Fehlverhaltens unsererseits bekamen, sondern vor allem, weil es ihm eine gewisse Genugtuung bereitete, uns zu quälen. Ja, ich hatte oft das Gefühl, dass es ihm geradezu Freude machte, mich zu erniedrigen. Dabei hatten wir Kinder aus dem Sudetenland es durch die Vertreibung und das jahrelange Leben, als widerwillig Geduldete im Dorf – in meinem Fall in Rohrbach – doch ohnehin schon sehr schwer. Und auch innerhalb der Familie standen wir immer erst an zweiter Stelle. Wir mussten die Hände auf den Tisch legen, wenn Erwachsene am Tisch saßen und sich unterhielten, durften wir erst sprechen, wenn die Erwachsenen uns dies erlaubt hatten. Diese damals üblichen rigiden Erziehungsmethoden schienen meinem Klassenlehrer Herr Kraft in die Karten zu spielen. Mein damals schon sehr ausgeprägtes Minderwertigkeitsgefühl wurde während meiner Schulzeit in Brötzingen nur noch weiter ausgebaut und gefestigt.

Wie ich bereits in einem meiner vorherigen Blogs ausgeführt habe, besuche ich häufig während einer Meditation mein Unterbewusstsein. Dort habe ich eine Art inneres Labor eingerichtet, in welchem ich seit vielen Jahren immer wieder Lösungen für Probleme gefunden und auch Glück und Entspannung erfahren habe. In diesem inneren Labor bearbeite ich mein bisheriges Leben, um daraus Antworten für die Gegenwart zu finden. Diesen Austausch mit meinem Unterbewusstsein praktizierte ich in früheren Jahren nahezu täglich. Inzwischen besuche ich mein Labor nur noch zwei bis dreimal pro Woche, nur in Zeiten des Glücks oder auch der Traurigkeit suche ich mein Labor täglich auf.

Im Dezember 1953 war es endlich soweit. Meine Familie bekam den Bescheid, dass wir nach Pforzheim umziehen konnten. Ich war froh, endlich aus Rohrbach herauszukommen. Wir waren hier ja sowieso nicht willkommen und schon gar nicht beliebt. Mit meinen inzwischen neun Jahren hatte ich bis dahin nur das dörfliche Leben in Rohrbach kennen gelernt, das ich im Grunde nur verlassen habe, wenn ich ins Krankenhaus nach Sinsheim musste oder wenn wir sonntags zu Fuß zum katholischen Gottesdienst ins benachbarte Steinsfurt gelaufen sind. Man kann sich vorstellen, dass ich diesen Fußmarsch nur widerwillig zurücklegte.