Meine Sicht auf die Geschichten die das Leben geschrieben hat

Als ehemaliger Inhaber eines Ingenieurbüros in Pforzheim bringt Norbert Leipert nicht nur fundiertes technisches Wissen, sondern auch eine zukunftsweisende Denkweise mit. Seine Arbeit fokussiert auf innovativen Lösungen, die den Anforderungen einer modernen, sich ständig weiter entwickelnden Welt gerecht werden. Gleichzeitig sieht er es als seine Aufgabe, die jüngere Generation zu fördern, indem er seine Lebensweisheiten und beruflichen Erfahrungen mit jungen Menschen teilt. Mit einem klaren Blick für Details, einem Gespür für Effizienz und einer besonderen Leidenschaft für die Vermittlung von Wissen setzt er neue Maßstäbe in der heutigen Zeit.

Mein Großvater Franz Xaver Leipert wurde am 3. Dezember 1876 in Wien geboren, gestorben ist er am 11. August 1961 in Pforzheim, Baden-Württemberg. Seine ersten Jahre verbrachte er in Österreich, er war Musiker und Dirigent, später siedelte er in das Sudetenland über. Er wusste was Krieg bedeutet, denn er diente als K.u.K. Soldat im Ersten Weltkrieg. Am 15. Mai 1915 war er zum Heeresdienst einberufen worden und hatte nach erfolgter militärischer Ausbildung ruhmreichen Anteil am Feldzug gegen Russland. Er kämpfte in Odessa am Schwarzen Meer, an der serbischen Front bei Belgrad, in Montenegro sowie in Griechenland bei Saloniki. Im November 1918 wurde er mit Ehrungen und Auszeichnungen aus dem Heeresdienst entlassen.

Meine Vorfahren waren sehr musikalisch. In den Familien in unserem Ort wurde bei jeder sich passenden Gelegenheit musiziert. Mein Großvater,1876 in Wien geboren, arbeitete hauptsächlich als Dirigent und beherrschte mehrere Instrumente. Es gelang ihm, seine Geige bei der Vertreibung mitzunehmen. Neben der Geige konnte er auch Tuba und Trompete spielen, was er auch nach der Vertreibung in verschiedenen örtlichen Vereinen gemacht hat. In diesen Vereinen war er sehr begehrt und anerkannt, denn er hatte ein umfangreiches, musikalisches Wissen. Zu Hause spielte er nur auf seiner Geige, ich hörte ihm als Kind immer sehr fasziniert zu.

Nachdem der lange Zug mit den Vertriebenen aus dem Sudetenland endlich in Deutschland angekommen war, atmeten wir alle auf. Am Grenzübergang in Furth im Wald wurden wir sehr freundlich von den Amerikanern empfangen. In diesem Moment dachte niemand an die schreckliche Zeit, die hinter allen lag. Insbesondere nicht an die sexuellen Übergriffe der vergangenen Monate gegenüber den Mädchen und Frauen. Doch auch die amerikanischen Soldaten waren nicht nur sehr hilfsbereit und nett, insbesondere zu den Mädchen und Frauen, sie machten keinen Hehl daraus, dass auch sie ihre sexuellen Bedürfnisse hätten. Meine Mutter stellte sich oft schützend vor die jungen, hilflosen Frauen, denen die Amerikaner aus dem Zug halfen. Und mein Großvater stellte sich wiederum schützend vor meine Mutter, und vor unsere 14-jährige Vera, unserem Waisenkind, die zu unserer Familie gehörte. Dieser Schutz war insbesondere bei der sogenannten Entlausung in den großen Gemeinschaftsduschen notwendig.