Mein inneres Labor

Das Unterbewusstsein hat immer einen Plan Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass ich vieles nur mit mir selbst klären kann und ja – auch muss. Und so hat sich in mir eine Art Institution etabliert, die ich am ehesten wie eine Art inneres Tagebuch oder besser noch wie ein inneres Labor beschreiben kann, in welchem ich mich regelmäßig aufhalte, um darin zu forschen und zu experimentieren. Meistens begebe ich mich am Abend in mein inneres Labor, um den erlebten Tag Revue passieren zu lassen. Ich habe ganz konkrete Vorstellungen, wie dieses Labor aussieht. Im Grunde ähnelt es einem Büro, dessen Fußboden und Wände in Lila gehalten sind. Gleich links befindet sich ein Arbeitsplatz, bestehend aus einem Flipchart sowie einem Schreibtisch mit PC und mehreren Unterschriftsmappen. Auch ein eingerahmtes Foto unseres vor Jahren verstorbenen Katers Felix hat hier seinen Platz, der mich jedes Mal freudig begrüßt. Rechts davon steht ein Besprechungstisch, an dem mehrere Personen Platz finden. Außerdem gibt es einen Bereich der Entspannung, in dem sich oft auch eine oder mehrere weibliche Personen aufhalten. Und schließlich befindet sich in diesem Teil des Labors eine große Bibliothek mit vielen, teils sehr alten Büchern. In dieser Bibliothek begegne ich stets dem Tod. Er trägt einen schwarzen Umhang, sein Kopf ist von einer Kapuze verdeckt. Ich begrüße ihn jedes Mal mit den Worten: „Guten Tag, Herr Gevatter!“

In mein Labor gelangt man über einen Paternoster. Wer zu mir kommen möchte, muss allerdings, bevor er den Paternoster betreten kann, einen großen Löwen mit gewaltiger Mähne passieren und es kommt mir so vor, als ob dieser Löwe darauf bedacht ist, dass niemand ungebeten über den Paternosteraufzug mein Büro beziehungsweise inneres Labor betritt.  Es kommen immer wieder Menschen durch diesen Aufzug nach oben. Einige steigen dann wieder ein und fahren nach unten.

Im hinteren Teil meines Labors befindet sich meine sogenannte Experimentierwerkstatt. Hier halte ich mich auf, wenn es ein bislang ungelöstes Problem zu bearbeiten gilt. Man kann diesen Prozess tatsächlich mit einem Labor vergleichen, wo so lange experimentiert und ausprobiert wird bis eine Lösung gefunden ist. Auf dem Flipchart notiere ich Wünsche und Fragen oder Aufgaben, dazu vermerke ich die jeweilige Zeit oder den jeweiligen Termin, bis zu dem ich eine Lösung zu meiner Frage benötige.
Je nach Situation und meinem persönlichen Befinden beim Eintreten in mein inneres Labor ist dieses auf einem hohen Berg angesiedelt mit einem weiten Blick über die Berge durch die vorhandene Glasfront, oder es befindet sich tief unten im Meer, wo ich viele Fische und Tiere schwimmen sehe.

Ich bekomme von meinem Unterbewusstsein so gut wie alle Fragen, die ich stelle, beantwortet. Die Antworten stehen entweder auf dem Flip-Chart oder es liegt ein entsprechender Zettel in einer der Unterschriftsmappen auf dem Schreibtisch.
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung, die ich in den vergangenen Jahrzehnten mit meinem inneren Labor, beziehungsweise mit meinem Unterbewusstsein gesammelt habe, empfehle ich, das eigene Glück nicht nur von der Außenwelt abhängig zu machen. Wir müssen vielmehr erkennen, dass uns das Unterbewusstsein alles geben kann, was wir zum Leben brauchen. Es muss nur von uns befragt, also mit einer klaren Frage oder einer klaren Aufgabe beauftragt werden, und dann bekommen wir die Antwort.
Unser Unterbewusstsein hat immer einen Plan.