Ich wurde bei strahlendem Sonnenschein im Juli 1944 um 15:25 Uhr in Wagstadt im Sudetenland in eine kriegerische Welt hinein geboren. Ich konnte es mir nicht aussuchen. Welche Ängste meine Mutter während dieser Schwangerschaft ausgestanden hatte kann ich nur erahnen. Heute weiß man, dass solche Gefühle gravierende Auswirkungen auf das noch ungeborene Leben haben können. Sie sind wie eine Art seelischer Rucksack, den meine Mutter mir unfreiwillig mit auf meinen Lebensweg geben hat. Welche längerfristigen, psychischen und physischen Auswirkungen der Zeitpunkt meiner Geburt und die danach einsetzende Verfolgung und Vertreibung auf mein Leben hatten, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Was ich hingegen weiß ist, dass es in meiner Kindheit, Jugend und dem Älterwerden öfter Momente gab, in denen ich nicht ein und aus wusste. Laut den Erzählungen meiner Mutter, meines Großvaters und vielen älteren Heimatvertriebenen war die Zeit nach meiner Geburt für alle im Sudetenland lebende Deutschstämmige sehr schwierig und mit vielen Ängsten und Schikanen behaftet.
