Unser Neuanfang in der durch den Krieg zerstörten Stadt Pforzheim war alles andere als einfach. Nicht nur meine Familie hatte schwer ums Überleben zu kämpfen, auch viele Bekannte, die wie wir aus dem Sudetenland vertrieben worden waren, teilten dieses schwere Schicksal. Wir lebten in den Trümmern einer nahezu vollständig zerbombten Stadt, in der Mangel und Not unser Dasein bestimmten. Viele Sudetendeutsche trugen nach wie vor die alte Heimat im Herzen und hofften immer noch darauf, irgendwann dorthin wieder zurückkehren zu können. Ihr Heimweh spürte ich ganz besonders bei den Treffen der vertriebenen Sudetendeutschen in Ludwigsburg, wo sie sich intensiv und häufig unter Tränen über Erinnerungen an die alte Heimat austauschten und ihre schwierigen ersten Schritte in der zugeteilten neuen Heimat in Baden-Württemberg beklagten. Die meisten, darunter auch meine Familie, fühlten sich von der Politik im Stich gelassen. Sie sahen sich als Spielball mächtiger Politiker und hatten nach wie vor Angst vor der Zukunft. Hinzu kam, dass sie sich von der einheimischen Bevölkerung nicht angenommen fühlten. Beschimpfungen wie Rucksack-Deutsche oder Sau-Flüchtlinge machten noch nach Jahren die Runde.
